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12.12.2017Herren 1

Im Osten geht die Sonne auf

"Es ist wie so oft im Leben: Wenn die Waschmaschine kaputtgeht, ist am nächsten Tag der Trockner auch im Arsch - und dann gibt der Fernseher den Geist auf." So äusserte sich Jürgen Klopp an einer Pressekonferenz vor einem Meisterschaftsspiel über die Verletzungsmisere beim BVB.

Dieser Mechanismus der Negativspirale oder des Teufelskreises, welcher Jürgen Klopp an der Pressekonferenz bildhaft zum Ausdruck brachte, könnte man gut mit unserer Situation nach den enttäuschenden Aufstiegsspielen vom letzten April vergleichen. Die nervenaufreibenden Spiele zerrten an unseren Kräften. Da wir in unserem Verein nicht im Besitz sogenannter Motivationsspritzen oder dergleichen sind, war Ruhe angesagt. Einige Spieler benötigten eine Pause und Distanz von ihrem Hobby. Youtuber Rush Junior würde sich hier wie folgt äussern: „Motivation isch sogar nid da man!“. Das kurz danach folgende Cupspiel kam viel zu früh und ging klar verloren. Auch das danach folgende Sommertraining war schwach besucht. Kam hinzu, dass in diesem Zeitraum wichtige Teamstützen den Rücktritt bekannt gaben. So begann man sich bezüglich der nahenden Saison 17/18 langsam Sorgen zu machen.

Von langer Hand geplant reisten wir mit dem Team Ende August für ein verlängertes Wochenende in den Osten nach Bratislava an den Slovak Floorball Cup. Und bekanntlich geht ja im Osten die Sonne auf und den Sonnenaufgang assoziieren wir mit positiven Gefühlen. Zudem kündet der Sonnenaufgang ein neuer Tag an, was wir an dieser Stelle mit einem Neuanfang gleichsetzen... In der Tat: Als hätte man bei der Anmeldung ein halbes Jahr vorher von dieser Misere gewusst, kam dieses Unternehmen zum besten Zeitpunkt. Mit wenigen Ausnahmen nahm das gesamte Team teil. Am Mittwochabend, den 24. August bestiegen wir in Zürich den Nachtzug nach Wien. Die Fahrt in den 6er-Couchetten war sehr unterhaltsam und kurzweilig. Nach einer kurzen Nacht kamen wir gegen 10 Uhr morgens in Bratislava an, um noch am selben Tag das erste Spiel gegen ein Team aus der Slowakei zu bestreiten. Trotz ungewohnter Umgebung und einem holprigen Boden gab es kaum Anpassungsschwierigkeiten. Im Gegenteil: Unsere Spieler kombinierten sich gekonnt durch die Abwehrreihen des Gegners und konnten teils herrliche Tore verbuchen. Am Ende fuhren wir einen ungefährdeten Startsieg ein. So war die Stimmung im Team bereits in den ersten Stunden des Turniers ausgezeichnet. Diese, wie auch die positiven Resultate konnten über alle Turniertage hinweg beibehalten werden.

An den Abenden dinierte das Team jeweils geschlossen in tollen Restaurants mit regionaler Küche und genoss das lockere und ungezwungene Beisammensein. Bemerkenswert war die gute Balance zwischen Ausgelassenheit im Ausgang und fokussiertem Unihockeyspiel in der Sporthalle. Am Samstagabend durften wir das Achtelfinale gegen den Lokalmatador, die Bratislava Snipers, in der HANT-Arena austragen. Eine der Hauptspielstätten der diesjährigen Damen-Weltmeisterschaften. Ein Livestream und eine ordentliche Anzahl an Zuschauern waren Teil dieses spannenden K.O.-Spiels. Negativ: Das Spiel ging leider in der Verlängerung knapp verloren. Positiv: Das Team durfte nach dem Ausscheiden mit gutem Gewissen bis in die Morgenstunden feiern.

Zurück im Gürbetal holten wir uns in den verbleibenden Trainings den letzten Schliff für die ersten Meisterschaftsspiele im September. Der Start in die neue Saison glückte. Drei Siege und ein unglaublich gutes Torverhältnis. Erfreulich war die positive Integration der neuen Spieler, welche auf diese Saison aus dem letztjährigen U21-Team ins Fanionteam wechselten. In der Folge kamen drei Niederlagen dazu. Insbesondere das Spiel gegen den Leader, die Hornets aus Moosseedorf, zeigte uns einige Grenzen auf. Das Fehlen einiger Stammkräfte konnte unser schmales Kader nicht kompensieren. Hinzu kam, dass der Schlüsselspieler Simon Weiss aufgrund einer Operation seines Fussgelenks ab diesem Spiel für einige Monate fehlen wird.

Im Vergleich zur letzten Saison, als wir souverän den Gruppensieg holten, ein breites Kader hatten und viel individuelle Qualität vorhanden war, haben wir in dieser Saison weniger Möglichkeiten. Nicht desto trotz hält das Team am Ziel, auch in diesem Jahr etwas reissen zu wollen, fest. Und weil wir neben diesem Hauptziel das Teilziel: „Spiel für Spiel nehmen“ verfolgen, schliesse ich mit folgendem Zitat von Jürgen Klopp: "Ich denke erst an Titel, wenn ich die Ziellinie sehe. Und weil ich kurzsichtig bin, sehe ich die später als andere."

Pierino Niklaus, Trainer Herren 1